Rundbrief vom Kinderheim im März 2009

15 März 2009

Der neue Rundbrief aus dem Kinderheim Nazareth ist angekommen.

Es gibt diesen Newsletter auch als PDF Datei zum Herunterladen.

Einleitung

 

Kennen Sie die Redewendung “Die Welt ist ein Dorf”? Tatsächlich stellt sich die heutige Welt oft als globales Dorf dar, in dem sich Nachbarn feindselig gesinnt sind und sich manche Nachbarstreitigkeiten entwickeln. Das kann sich so auswirken, dass man nicht mehr seine eigenen Ziele verfolgen kann und sich gezwungen sieht, entweder mit ständigen Problemen zu leben oder umzuziehen. Solche Nachbarstreitigkeiten finden auf vielen verschiedenen Ebenen statt und beruhen auf unterschiedlichen Gründen, etwa auf politischen oder stammesgebundenen Unterschieden oder auf verschiedenen Meinungen und Ideologien.

In unserer Arbeit im Kinderheim sahen wir uns nun gezwungen, unseren bisherigen Standort Sondu wegen Stammeskonflikten und unterschiedlicher Ansichten über unsere Arbeit zu verlassen. Im Dezember 2008 sind wir daher nach Rangwe umgezogen. Schon in dieser kurzen Zeit sehen wir positive Veränderungen bei den Kindern und einen neuen Zusammenhalt im Mitarbeiterteam. Endlich ist Frieden eingezogen, und das Team kann nun jeden Tag mit einer Andacht und einem Gebet beginnen. Für uns ist das eine großartige Bereicherung, und wir danken Gott dafür. Es war wirklich eine notwendige Veränderung, auch wenn die Entscheidung sehr hart und auch teuer war. Doch Frieden ist lebenswichtig für jede Gemeinschaft und jede Arbeit, was auch immer man erreichen will. Mögen sich diese Entscheidung und alle folgenden Schritte als gut erweisen!

 

Das Zusammenleben im Heim

Es ist kein Geheimnis, dass der Zerfall von Ehen und die Krankheit AIDS eine große Verwüstung in unserer Gesellschaft angerichtet haben. Wenn wir uns aber unsere Kinder hier im Heim ansehen, sind wir Gott dankbar für seine Führung und dass er uns ein Gespür dafür gegeben hat, wie wir den Kindern helfen können, um den vielen Herausforderungen im Leben mit Vertrauen entgegen zu treten. In Kenia gibt es viele sozial-ökonomische Probleme in Dörfern, Städten und in Familien, weshalb viele Kinder weglaufen und Straßenkinder werden. Manche Kinder enden in Kinderarbeit, da ihnen sonst das Nötigste zum Leben fehlt. Wir sind froh, dass unsere Kinder hier bei uns gelandet sind und wir ihnen helfen können, Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen. Deshalb ist es uns so wichtig, dass die Kinder das Heim mit guter Hoffnung und Plänen für eine bessere Zukunft verlassen. Um das zu erreichen, setzen wir uns oft mit den Kindern zusammen und reden mit ihnen über ihre Sichtweisen und Meinungen. Indem wir ihnen zuhören, wollen wir ihnen helfen, richtige Entscheidungen fürs Leben zu treffen. Manche von ihnen hatten bereits feste Meinungen und Ansichten, als sie zu uns kamen, und oft nehmen sie nur sehr schwer an, was wir ihnen Neues für ihr Leben mitgeben wollen.

Auf der anderen Seite beeindrucken uns unsere Kinder damit, wie sie uns als Eltern akzeptiert haben. Inzwischen haben manche unserer Teenies ein Alter von 18 Jahren erreicht, und somit bekommen sie nach dem Gesetz einen Personalausweis. In diesem Alter können eine Menge Schwierigkeiten auftreten, und deshalb besteht das Jugendamt darauf, dass die Jugendlichen in dieser Zeit an ein selbständiges Leben herangeführt werden. Jetzt wird es für sie wichtig zu wissen, wo ihr Zuhause, wo ihre Familie ist. Wir setzen alles daran, dass die Kinder unser Heim als ihr verlässliches Zuhause begreifen, wenn sie eines Tages ausziehen und ihre eigenen Wege gehen. Es ist unser Gebet, dass die Jahre, die unsere Jugendlichen hier im Heim verbringen, sich positiv auf ihr gesamtes Leben auswirken und unsere Kinder einen gute Basis für ihre Zukunft erhalten.

 

Gesundheitliche Situation im Heim

Man kann nur dann ganzheitlich von „Leben“ sprechen, wenn ein Mensch sozial, mental und physisch fit ist. In der Nazareth Familie ist es uns sehr wichtig, dass alle Kinder und Mitarbeiter im Heim gesund sind und Zugang zu guten medizinischen Einrichtungen haben. Gott sei Dank gab es seit unserem Umzug nach Rangwe keine ernsthaften Erkrankungen, was uns sehr glücklich macht. Hinzu kommt, dass keine 200 Meter von uns entfernt ein kleines Krankenhaus liegt. Auch die neuen Schulen unserer Kinder sind größtenteils direkt um die Ecke, so dass es für uns sehr einfach ist, diese Orte zu erreichen. Gott sei Ehre für all das.

 

Die Bildung und die Kinder

In Kenia gibt es ein Sprichwort, das heißt: “Elimu ni ufunguo wa maisha”, und das bedeutet: „Bildung ist der Schlüssel zum Leben!“. Und diese Auffassung lässt Eltern überall auf der Welt, nicht nur in Kenia, alles dafür tun, dass ihr Sohn oder ihre Tochter eine gute Bildung erhalten. Je besser die Bildung ist, umso besser ist der Job, den man bekommt. In Kenia gilt aber auch, je besser die Noten in der Volksschule (1. bis 8. Klasse) sind, umso besser die weiterführende (Aus-)Bildung. Deshalb müssen wir so sehr darauf bestehen, dass die Kinder hart arbeiten, damit ihre Noten besser werden. Bei unseren Kindern bewegt sich gerade sehr viel, was die Bildung angeht. Im Moment sind fünf Kinder auf weiterführenden Schulen, die zur Hochschulreife führen. Unser Ältester, Wycliff, wird Ende diesen Jahres nach vier Jahren an der weiterführenden Schule sein Examen (vergleichbar dem Abitur) machen. Dan ist jetzt im dritten Jahr, während Sam, Joan und Judith im Januar an der weiterführenden Schule angefangen haben. Drei unserer Kinder, Gabriel, Pamela und Joyce, machen Ausbildungen in einer Berufsschule in Tinderet bei Diguna, einem befreundeten Hilfswerk, zum Schweißer bzw. zu Schneiderinnen. Damit haben sie später eine gute Basis, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Rest der Kinder ist noch in der Volksschule, verteilt auf die verschiedenen Jahrgangsstufen von Kindergarten bis siebte Klasse. Das bedeutet, dieses Jahr muss keins der Kinder das Volksschul-Examen machen. Wir sind so dankbar für alle Freunde des Nazareth Kinderheims und alle Anstrengungen des deutschen Vereins, die es überhaupt erst ermöglichen, dass alle Kinder zur Schule gehen können. Möge Gott alle für ihre Unterstützung segnen.

 

Anstehendes Großprojekt

Nachdem wir Sondu verlassen haben, ist das Kinderheim vorübergehend auf privatem Eigentum untergebracht. Wir beten inständig, dass wir ein Grundstück finden, das über eine Straße erreichbar ist und das an Strom- und Wasserversorgung angeschlossen werden kann. Wir, das kenianische Team des Kinderheims, haben uns gegenüber dem deutschen Verein verpflichtet, so schnell wie möglich ein solches Grundstück ausfindig zu machen und mit dem Kinderheim endgültig umzuziehen. Außerdem beten wir für die finanziellen Mittel für Kauf des Grundstücks und ggf. Bau neuer Häuser. Möglicherweise haben wir schon ein geeignetes Grundstück gefunden. Möge Gott uns dabei helfen, die Vertragsverhandlungen weise zu führen.

 

Gebetsanliegen

Wir beten für die Kinder, die jetzt in anderen Schulen sind, dass sie mit der neuen Umgebung klarkommen, und für Gesundheit. Wir beten, dass das Jugendamt uns eine Zulassung dafür gibt, das Kinderheim in Rangwe zu führen. Bitte betet für unser Leitungsteam hier und unseren Vorsitzenden Pfarrer Evans Sira Sira, aber auch für Familie Agengo und Helen, die als Betreuer direkt mit den Kindern arbeiten, dass sie Liebe für die Kinder und Frieden im Herzen haben.

 

Danksagung

Wir danken Gott für seine Bewahrung während der Ferien und dass alle Kinder jetzt in der Schule sind, insbesondere dass alle Schulgebühren bezahlt werden konnten. Wir sind dankbar für das Team von Diguna Tinderet, das uns eine große Hilfe beim Umzug nach Rangwe war. Nicht zuletzt sind wir Gott dankbar für das Team in Deutschland und die Vereinsarbeit dort.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Samson Agengo und die Nazareth Familie